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Gitarren Amp Recording zu Hause

Ich habe die letzten 4 Wochen damit verbracht, eine Lösung folgendes Problem zu finden:

Ich brauche einen flexiblen, dynamischen Röhrenamp Sound in einer für Mietwohnungen angemessenen Lautstärke. Das ist eigentlich alles. Leicht gesagt, schwer eine wirklich gute Lösung zu finden.

Lösung 1:

Das erste, was ich probierte war ein 1×12“ 45 Watt Röhrencombo mit Powersoak und mit einem 3 Kanal Röhren Preamp (ich benutze den AMT SS-11A) davor.

Problem: Mir gefiel der komprimierte Sound der extrem runtergeregelten Endstufe nicht (vor allem im Crunch/Rhythm Bereich).

Lösung 2:

Kleiner 1 Watt Vollröhren Combo mit Direct Out und wieder 3 Kanal Preamp davor.

Problem: Kein Effektloop, also musste ich vom Preamp erstmal in die Vorstufe des Combos. Die beiden Vorstufen vertragen sich allerdings nicht wirklich und das Resultat waren viel zu viele unangenehme Obertöne auch mit Treble auf 0.

Lösung 3:

Wieder ein 1W Vollröhren Combo diesmal mit Effektloop.

Problem: Hier begann ich zu begreifen: Das eigentliche Problem, dass ich die ganze Zeit über hatte, ist der Speaker. Der Lautsprecher einer Gitarrenbox ist in seiner Bauweise einfach nicht für solch niedrige Pegel gemacht. Den Sound den man kennt und gewöhnt ist, bekommt man erst ab einer gewissen Lautstärke.

Also probierte ich den Line Out von dem Ding. Es klang mittelmäßig, ich war nicht zufrieden.

Lösung 4:

Also bestellte ich den PDI03-JB von Palmer einen relativ neuen Speaker Emulator entwickelt in Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa. Testberichten zufolge soll dies so ziemlich das beste sein, was man unter 500€ an Hardware Speakersimulation erwerben kann. Er basiert auf dem klassischen Palmer PDI03 Rackteil, den man in so gut wie allen größeren Studios findet.

Also den SS-11A direkt an den Palmer angeschlossen und dann ins Pult.

Problem: Keins. Klingt geil.

Hier ein paar Sound Beispiele:

 

Clean:

Crunch:

Rhythm:

Lead:

Metal:

 

SS-11A / PDI03 JB

Verwendete Gitarren: 

Clean/Crunch/Rhythm/Lead:

Custom Stratocaster von einem lokalen Gitarrenbauer mit HSS Pickups (Humbucker in der Stegposition ist splitbar), Mahagoni Korpus,  Palisander Griffbrett und non-Tremolo Steg. Für manche Sounds verwende ich den Duesenberg Gold Boost.

Metal:

Ibanez RG mit Seymour Duncan SH-13 Dimebucker

Moral der Geschichte:

Es gibt 4 wichtige Bestandteile eines normalen E-Gitarren Setups: Gitarre, Vorstufe, Endstufe und Lautsprecher. In einer Live oder Proberaum Situation kann man einfach einen soliden Vollröhren Amp an eine 4×12“ Box anschließen und hat dann einen schönen, fetten Sound.

Zu Hause, wo man Rücksicht auf andere Menschen nehmen muss, geht das nicht wirklich. Das Problem ist allerdings nicht die Endstufe sondern vor allem der Lautsprecher.

Den Sound eines pumpenden Passivspeakers in Zimmerlautstärke bekommt man eh nicht hin. Aber mit einer guten Speakersimulation und guten Monitoren kommt man sehr nahe dran. Einen soliden Röhren Preamp bekommt man bereits für ~300€ (siehe mein AMT SS-11A), das Ganze ist also wirklich erschwinglich.

Das einzige, was wirklich nicht geht, ist das berühmte singende Feedback, das von der Interaktion von Gitarre und Lautsprecher entsteht. Aber das habe ich auch nicht erwartet. Wenn man das unbedingt braucht, muss man schon neben einer ziemlich lauten, echten Gitarrenbox stehen. Die meisten Gitarrenboxen haben jedoch sehr starke Eigenresonanzen, die oft nur für einen bestimmten Sound wirklich gut funktionieren.

Wenn es ums Recording geht ist mein jetziges Setup zumindest sehr flexibel und erzeugt einen guten Workflow. Man kann das unkorrigierte Signal auch mit aufnehmen und mit Impulse Responses oder Modeling (z.B. Native Instruments GuitarRig) versuchen, einen noch besseren, natürlicheren Sound hinzukriegen. Aber ich finde den Grundsound des PDI03 JB schon so gut, dass ich erstmal wunschlos glücklich bin.

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